Startseite | Hier sind wir | Inhaltsverzeichnis | Links | Spenden | Ihre Meinung | Kontakt | Impressum | Datenschutzerklärung | Öffnungszeiten unserer Kirche

Angedacht

In diesem Monat feiern wir Erntedank. Das Wort erklärt schon, worum es geht. Wir danken für die Nahrungsmittel, die Bauern ernten, damit wir ausreichend zu essen haben. Vor der Ernte steht – eine Binsenweisheit für alle Bauern und Gärtner – die Aussaat. So selbstverständlich das ist, so schnell wird es vielleicht von denen vergessen, denen die landwirtschaftliche Produktion fremd ist. Deshalb sollte der Erntedanktag auch Gelegenheit sein, denen zu danken, die das mühselige Geschäft des Aussäens und der Pflege übernehmen.
Vor der Ernte die Aussaat: Das gilt auch im übertragenen Sinn, gilt auch für Kirche und Gemeinde sowie im Glauben. Wobei nicht so offensichtlich ist, was hier Ernte bedeutet. Ob ein Mensch glaubt, ob ein Mensch Gott vertraut und versucht, nach seinen Geboten zu leben, das ist nicht so offensichtlich wie ein Baum voller Früchte oder ein Feld reifer Ähren. Dennoch möchte ich mich jetzt einmal auf das beschränken, was „sichtbar“ ist: der Gottesdienstbesuch, der Empfang der Sakramente, das Engagement in der Gemeinde. Oft höre ich heute die Klage, dass die „Ernte“ hier kärglich ist. Seltener höre ich die Frage, wie denn die Aussaat gewesen ist. Die Verkündigung des Glaubens ist sicherlich ein ebenso mühseliges Geschäft wie die Aussaat im Garten und auf dem Feld. Den Menschen immer wieder nachzugehen ebenso anstrengend wie die Pflege noch junger Pflanzen. Doch: Ohne Aussaat keine Ernte. Mein Vorschlag zur Entlastung: Nicht auf die Ernte zu schauen, sondern sich allein auf die Aussaat zu konzentrieren. „Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand“, schreibt Matthias Claudius in seinem Erntelied. Was er auf die Natur hin dichtet, gilt meiner Ansicht nach auch für den Glauben. Säen wir großzügig und unverdrossen, „Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand“.