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Monatsspruch Juni

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. (Hebräer 13,2)

Die Gastfreundschaft hatte in den letzten Jahren auch noch einen anderen Namen: Willkommenskultur. Und damit beginnen die Schwierigkeiten. Denn es sind ja mit den Geflüchteten nicht nur „Engel“ gekommen. Und manche nehmen das zum Anlass gleich die ganze Willkommenskultur infrage zu stellen und fordern, die Grenzen zu schließen.

Und schießen dabei weit über das Ziel hinaus. Denn Gastfreundschaft ist ein Wert, unabhängig davon, wie sich die Gäste verhalten. Natürlich muss die Gesellschaft auf Fehlverhalten reagieren, das mache ich als Gastgeber im Privaten nicht anders. Benimmt sich ein Gast daneben, rufe ich ihn zur Ordnung; hilft das nicht, verweise ich ihn im schlimmsten Fall des Hauses. Doch deshalb höre ich ja nicht auf, gastfreundlich zu sein. Auch Liebe kann missbraucht und verletzt werden, höre ich deshalb auf zu lieben? Versöhnung kann zurückgewiesen werden, höre ich deshalb auf, die Hand zum Frieden zu reichen? Natürlich nicht. Und so ist das auch mit der Gastfreundschaft. Der Monatsspruch aus dem Hebräerbrief spricht ja auch nicht davon, dass alle Engel sind und mahnt uns dennoch, die Gastfreundschaft nicht zu vergessen.

Das Schlüsselwort heißt für mich: Vertrauensvorschuss. Als Christ vertraue ich zunächst den Menschen – auch auf die Gefahr hin, enttäuscht zu werden. Zunächst sehe ich in jedem Menschen ein Kind Gottes, wie ich es bin – sei es im Privaten, im Flüchtlingslager oder in der Suppenküche. Und wie geht das, dieser Vertrauensvorschuss. Aus dem Gottvertrauen heraus. Weil ich Gott vertraue, kann ich auch den Menschen vertrauen.

Michael Tillmann