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Monatsspruch Oktober

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen. (Psalm 38,10)

Der Monatsspruch ist entnommen dem 38. Psalm, der bitteren Klage eines kranken Menschen, die Lutherbibel überschreibt ihn mit „In schwerer Heimsuchung“. Als Unterüberschrift steht dort „Der dritte Bußpsalm“, denn der Betende sieht in seinen Sünden und in seiner Schuld die Ursache für sein Leiden; Gott straft ihn in seinem Zorn. Dieses Denken ist uns heute fremd, obwohl ich glaube, dass es sich immer wieder mal über „ein Hintertürchen“ einschleicht: „Warum hast du mir das angetan, Gott? – diese Frage ist manchem nicht fremd.

Doch auch wenn mir das Denken des Betenden fremd ist – dass Gott an seinem Leid schuld sein soll – so bewundere ich ihn in seinem Beten. Er betet dennoch, er betet trotzdem. Obwohl er sich von Gott gestraft fühlt; obwohl er der Meinung ist, sich versündigt zu haben, betet er. Sein Beten ist dabei – liest man den ganzen Psalm – ein Schwanken zwischen Vertrauen und Verzweiflung, doch der Psalm endet mit der Hoffnung: „Herr, mein Hilfe!“

Der Betende gleicht darin dem betenden Jesus im Garten von Gethsemane am Abend seiner Verhaftung. Jesus ringt mit Gott, dass Leiden und Tod an ihm vorübergehen mögen, doch er endet mit dem vertrauensvollen: Doch dein Wille geschehe.

Dennoch zu beten, trotzdem zu beten, ja trotzig zu beten, ist allemal besser, als nicht zu beten. In Worte zu fassen, was Gott schon weiß, denn all mein Sehnen und Seufzen ist ihm bekannt, hilft. Weil in Worte gefasst, manches ein wenig leichter zu tragen ist. Weil ich den, der mich nicht vergisst, trotzdem an mich erinnern möchte: „Herr, mein Hilfe!“ Im Lukasevangelium kommt Jesus ein Engel zur Hilfe und stärkt den Betenden. Warum nicht auch Sie und mich?

Peter Kane