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Monatsspruch September

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. (Lukas 13,30)

Zwei völlig entgegengesetzte Gesellschaftsmodelle treffen in diesem Satz aufeinander. Da ist zunächst das Modell, das uns vertraut ist. Es gibt Große und Kleine, Mächtige und Ohnmächtige, Bedeutende und andere, die niemand wahrnimmt. Wir kennen das aus der Arbeitswelt, vom Sport, bei dem der Zweite oft der erste Verlierer ist, und in den letzten Jahren verstärkt aus dem Fernsehen, wo es in Castingshows um Superstars oder Topmodels geht. Immer zählt nur der Erste, der Größte. Jesus konfrontiert in diesem Satz mit einem ganz anderen Gesellschaftsmodell. Der Erste soll der Letzte sein und der Diener aller. Im Mittelpunkt steht nicht der Superstar, nicht die Schönste, nicht der Klügste, sondern der Kleinste, der Letzte. Dieses Gesellschaftsmodell und das der Welt passen nicht zusammen, sie stehen konträr gegenüber. Für welches würden Sie sich entscheiden? Ich glaube, die meisten von uns sehnen sich nach Jesu Gesellschaftsmodell ohne Oben und Unten, ohne Hackordnung und ständiges Bemühen um den eigenen Platz, ohne Tränen, wenn man sich selbst als Verlierer fühlt oder von anderen dazu gemacht wird. Sich für Jesu Gesellschaftsmodell zu entscheiden, reicht alleine nicht aus, wir müssen uns dafür einsetzen: Wie können die Schwachen, die an den Rand Gedrängten in den Mittelpunkt rücken? Wie kann mein persönlicher Dienst aussehen? Eines dürfte – so glaube ich – klar sein: Der Letzte zu sein, der Diener aller, das ist keine passive Demutsgeste, kein Hinten-anstellen, sondern der Schritt in die Verantwortung für andere. Es gibt vielfältige Aufgaben, Dienste, die ich übernehmen kann, und die mein Leben grundsätzlich verändern; auf den Kopf stellen, sodass der Letzte von allen und der Diener aller der Erste, der Größte ist. Wie das gehen kann? Zunächst durch einen Perspektivwechsel: Das Geringe hoch zu schätzen, zuerst den anderen zu sehen, der meine Hilfe braucht. Auch einen anderen Blick auf mich selbst zu werfen, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Das kann sehr schwer sein, doch wie befreiend, entlastend und beglückend ist es, wenn es gelingt.

 

Michael Tillmann